Karpaltunnelsyndrom (CTS)

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Beugeseitig am Handgelenk verläuft der Nervus medianus zusammen mit den Beugesehnen durch einen Tunnel, der von den Handwurzelknochen und einem etwa 3 cm breiten Band (Ligamentum carpi transversum) gebildet wird. Durch eine Verengung diese Tunnels kommt es zu einer Druckbelastung des Nervens.

Welche Ursachen gibt es?

Angeschuldigt wird eine Überlastung oder Fehlbelastung der Hand, Verletzungen, anatomische Besonderheiten, entzündliche Veränderungen (z.b. bei Rheumatikern), Tumore oder auch eine Stoffwechselkrankheit (Gicht, Zuckerkrankheit). Auch hormonelle Ursachen dürften eine Rolle spielen. Bei manchen Menschen ist das erste Strecksehnenfach in sich noch unterteilt, sodass der Raum für die Sehnen noch kleiner ist.

Wer ist betroffen?

Frauen leiden 3 x so oft an einem CTS wie Männer. Neben einer erblichen Neigung spielen Handgelenksbrüche, rheumatische Erkrankungen, entzündliche und hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Wechsel, Schilddrüsenunterfunktion), dialysepflichtige Niereinsuffizienz, Zuckerkrankheit oder auch manuelle körperliche Tätigkeiten eine Rolle.

Welche Symptome hat man?

Der Nervus medianus ist verantwortlich für das Hautgefühl an der Innenseite des Daumen, Zeige- und Mittelfinger- und der daumenseitigen Hälfte des Ringfingers . Die typischen Symptome sind ein nächtliches Einschlafen und ein Kribbeln dieser Finger. Manchmal werden auch brennende Schmerzen und eine morgendliche Steifigkeit de Finger beschrieben. Anfangs klingen die Beschwerden beim Umlagern der Hand ("Ausschütteln") oder durchs Massieren wieder ab. In der Regel sind diese Symptome bei länger anhaltender gleicher Stellung des Handgelenkes besonders stark ausgeprägt. Durch die Verminderung des Tastsinnes ist die Feinmotorik gestört.

Wenn die Beschwerden länger bestehen werden die Finger völlig gefühllos. Es kommt zu einem Muskelschwund am Daumenballen, was zu einer Schwäche beim Greifen führt (Flaschen- Zeichen: eine Flasche kann nicht mehr festgehalten werden).

Wie diagnostiziert man ein Karpaltunnelsyndrom?

Tinnel-Hoffmann Zeichen: Durch Beklopfen des Karpalkanals treten  Missempfindungen auf.

Im Ultraschall kann die Größe des Karpaltunnels beurteilt werden. Ein Röntgen des Handgelenkes zeigt allfällige knöcherne Deformierungen. Eine MRT ist zur Diagnose von Tumoren (Lipome, Neurome, Ganglien) hilfreich.

Beweisend für das vorliegen eines CTS ist die verringerte Nervenleitgeschwindigkeit, die vom Neurologen mittels einer Elektroneurografie (ENG) erhoben wird. In einer Elektromyographie (EMG) kann die Schädigung der Daumenballenmuskulatur beurteilt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Als konservative Behandlungsmöglichkeiten kommen Schonung, lokale Massagen, Eisbehandlung und entzündungshemmende Medikamente in Frage.

Bewährt hat sich die vorübergehende Ruhigstellung mit einer Handgelenksschiene, die nachts getragen wird.

Das Einreiben mit ätherischen Ölmischungen kann unterstützend versucht werden.

Eine lokale Kortisoninfiltration kann zur Reduktion der Schwellung und damit zu einer (häufig nur vorübergehenden) Linderung der Beschwerden führen.

Kommt es durch die konservative Behandlung zu keiner Besserung, sollte der Karpalkanal operativ gespalten werden Mit Verwendung einer Lupenbrille kann das Ligamentum carpi transversum über einen beugeseitigen etwa 2 cm langen Hautschnitt gut dargestellt und durchtrennt werden. Der Eingriff ist in Lokalanästhesie möglich. Eine Oberarmblutsperre wird verwendet.

Schematische Darstellung der Spaltung des Karpaltunnels und Verlauf des Nervus medianus (gelb)

Schematische Darstellung der Spaltung des Karpaltunnels und Verlauf des Nervus medianus (gelb)

Wie sieht die Nachbehandlung nach der Operation aus?

Postoperativ wird ein Watteverband mit leichter Kompression für ein paar Tage angelegt. Sanfte Bewegungen der Finger und des Daumens sind schon unmittelbar nach der Operation gewünscht. Meist ist die Hand noch 3-4 Wochen wieder voll belastbar.

Der nächtliche Schmerz bessert sich üblicherweise sofort, die Sensibilitätsstörung meist innerhalb weniger Tage bis Wochen. In schweren Fällen können diese aber bis zu sechs Monate bestehen bleiben. Eine länger bestehende Muskelatrophie ist allerdings oft nicht mehr rückbildungsfähig.

Nach 10-14 Tagen werden die Fäden entfernt. Eine lokale Behandlung der Narbe mit ätherischen Ölen oder Salben ist empfehlenswert.

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