HÄUFIGE KNIEPROBLEME BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN

Im frühen Kindesalter sind Erkrankungen des Kniegelenkes sehr selten.

Bei Schmerzen und Schwellungen sollten Infektionen, eine Bluterkrankheit und rheumatische Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Vor allem bei Buben zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr sollten auf einen Morbus Perthes (Absterben des Hüftkopfes) abgeklärt werden, da sich die Erkrankung durch Knieschmerzen, ein hinkendes Gangbild und eine reduzierte Beweglichkeit des betroffenen Hüftgelenkes darstellt.

Knieschmerzen beim Kind müssen immer ernst genommen und abgeklärt werden. 40 % aller Knochentumoren bei Kindern und Jugendlichen finden sich im Bereich des Kniegelenkes und am distalen Oberschenkel.

WACHSTUMSSCHMERZEN

Es ist die harmloseste Variante der Knieschmerzen bei Kindern. Sie treten zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr abends oder nachts auf und verschwinden nach ein paar Wochen wieder. Bei Wachstumsschüben kann es passieren, dass die Bänder und Sehnen der großen Gelenke nicht mit dem Wachsen hinterherkommen. 

 

SCHMERZEN UM DIE KNIESCHEIBE

Häufig sind spontan auftretende, unklare Schmerzen um die Kniescheibe, die sich durch Belastung verstärken und mehrheitlich junge Frauen betreffen. Sowohl Röntgen als auch MRT sind unauffällig. Eine muskuläre Dysbalance und die hormonelle Umstellung in der Pubertät werden als Ursache vermutet. Die Erkrankung hat einen günstigen Spontanverlauf.

Mit Physiotherapie (Patellazentrierung, Training des M. vastus medialis, Dehnungsübungen), einer patellazentrierenden Bandage und lokaler Behandlung mit ätherischen Ölen und entzündungshemmenden Salben klingen die Beschwerden langsam ab.

Unterstützend können Knorpelpräparate eingenommen werden.

Von operativen Eingriffen ohne pathologisches Substrat muss abgeraten werden.

 

BAKERZYSTE

Sie treten spontan bei Kindern zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr in der Kniekehle auf und sind häufig asymptomatisch. Die Zysten verschwinden meist nach 1 bis 2 Jahren spontan wieder.

 

PATELLA BIPARTITA ( TRI-, MULTIPARTITA)

Es handelt sich dabei um eine harmlose, anlagebedingte zweigeteilte (mehrgeteilte) Kniescheibe.

Sollten anhaltende belastungsabhängige Schmerzen bestehen, kann das Stück operativ refixiert oder entfernt werden.

 

MORBUS OSGOOD-SCHLATTER

Beim Morbus Osgood-Schlatter handelt sich um eine schmerzhafte Reizung des Ansatzes der Kniescheibensehne an der Vorderseite des Schienbeines knapp unterhalb des Kniegelenkes. Sie führt zu einer Verknöcherungsstörung mit freien kleinen Knochenfragmenten.

Die Ursache sind wiederholte Mikrotraumatisierungen durch trainingsbedingte Überlastung des Sehnenansatzes. Das typische Alter ist das 13. - 14. Lebensjahr bei Buben und das 10. - 11. bei Mädchen.

Die Symptome beginnen schleichend mit Druckschmerz an der Schienbeinrauhigkeit in Kombination mit Schwellung und Schmerzen nach dem Sport und beim Hinknien.

Im Röntgen zeigen sich die typischen Knochenfragmente der Tuberositas tibiae und gelegentlich freie Knochenstücke in der Patellarsehne.

Als Komplikation kann die Patellarsehne in seltenen Fällen mit einem Knochenstück vom Schienbein abreißen. In diesem Fall ist eine operative Versorgung nötig.

Die übliche Therapie ist aber eine körperliche Schonung, Reduktion der Trainingsintensität und eventuell vorübergehender Wechsel der Sportart (Radfahren, Schwimmen). Gleichzeitiger Beginn mit Physiotherapie (statisches Quadrizepstraining, Dehnungsübungen für den Quadrizeps), lokale Eisbehandlung und Einreibungen mit ätherischen Ölmischungen.

Tapeverbände oder Bandagen (Patellaband) können verordnet werden.

Eine Behandlung mit thrombozytenreichem Plasma (ACP) soll die Spontanheilung fördern.

Eine kurzfristige Ruhigstellung ist nur bei ausgeprägter Symptomatik erforderlich, lokale Cortisoninjektionen sind kontraindiziert.

Der Morbus Osgood-Schlatter ist eine selbstlimitierende Erkrankung, die mit dem Wachstumsabschluss spontan ausheilt.

Als Endstadium verbleibt eine deutlich sichtbare Vorwölbung der Schienbeinrauhigkeit. Kleine Knochenstücke (Ossikel), die sich innerhalb der Sehne bilden können bei Beschwerden nach Abschluss des Wachstums operativ entfernt werden.

 

MORBUS SINDING LARSEN

Der Morbus Sinding-Larsen ist betreffend Ursache, Klinik und Therapie dem Morbus Osgood-Schlatter gleichzusetzen.

Die Lokalisation ist dabei der Patellarsehnenursprung am unteren Patellapol. Die Symptome der Erkrankung entsprechen dem Patellaspitzensyndrom (Springerknie) des Erwachsenenalters.

 

KINDLICHER KREUZBANDRISS

VORDERES KREUZBAND

Röntgenbild Institut Dr. Rachinger: knöcherner vorderer Kreuzbandausriss beim Kind

Vor dem 12. Lebensjahr sind knöcherne Ausrisse wesentlich häufiger als Bandrupturen. Diese können, wenn sie nicht stark verschoben sind, mit einer Ruhigstellung in Streckstellung für 6 Wochen behandelt werden.

Vollständig dislozierte Knochenstücke müssen operativ refixiert und dann mit einer Schiene nachbehandelt werden.

Ein Riss des vorderen Kreuzbandes selbst sollte bei Kindern und Jugendlichen operativ versorgt werden, um Instabilitätsbedingte Folgeschäden an den Menisci und dem Knorpel zu vermeiden.

Frische (- 3 Wochen nach Unfall) ursprungsnahe Bandabrisse können arthroskopisch wieder angenäht werden.

Risse in der Mitte des Bandes und ältere Rupturen werden operativ durch eine körpereigene Sehne (Semitendinosus-/Grazilissehne) ersetzt. Um das Risiko von Wachstumsstörungen vor allem bei noch weit offenen Wachstumsfugen zu verringern, muss darauf geachtet werden, dass die Wachstumsfugen nicht durch Implantate oder Knochenblöcke überbrückt werden.

HINTERES KREUZBAND

Verletzungen des hinteren Kreuzbandes sind bei Kindern sehr selten. Auch hier sind knöcherne Ausrisse die Regel. Nicht verschobene Abrissfrakturen werden konservativ mit Ruhigstellung für 6 Wochen behandelt, dislozierte müssen operativ refixiert werden.

 

MENISKUS

Ein Scheibenmeniskus (meist außenseitig) kann zu Schnappphänomenen (bei den letzten 20 Grad der Streckung) und Blockaden führen. Bei Rissen des Scheibenmeniskus (meist ab dem 10. Lebensjahr) muss dieser arthroskopisch operiert werden. 

Auch wenn traumatische Meniskusrupturen bei Kindern unter 10 Jahren selten sind, müssen diese operativ versorgt werden. Wenn möglich sollte eine Refixation durch Naht versucht werden, vor allem da häufig Längsrisse und Korbhenkelrisse vorkommen. 

Arthroskopiebild: eingeklemmter Korbhenkelriss des Meniskus

 

PLICASYNDROM

 

ENTZÜNDUNG DES HOFFA'SCHEN FETTKÖRPERS (HOFFAITIS)

 

KNIESCHEIBENVERRENKUNG

 

OSTEOCHONDROSIS DISSECANS

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